Chronik VS Harland

Mit Einführung der gesetzlichen Schulpflicht im Jahr 1744 bauten freiwillige Helfer auf dem „Kreuzbichl" neben der Antoniuskapelle eine Klausur mit Stube, Kammer und Küche. Dort wurde die Bevölkerung bis 1792 von Einsiedlern unterrichtet. Danach folgte Paul Gründler als erster weltlicher Lehrer. Er unterrichtete 44 Jahre in Harland!

Meist traten die Schüler Anfang bis Mitte November in die Schule ein. Es schien keinen generellen Schulbeginn zu geben. Benotet wurde monatlich.

Das "Verzeichnis über den Fleiß, Fortgang und die Sittlichkeit der Schüler zu Harland für das Winter-Semester 1838/39" beinhaltet die Unterrichtsfächer "Religion und Sittenlehre, Lesen deutsch und lateinisch, Kopf- und Ziffernrechnen, sowie Sprachlehre und Rechtschreibung".

20 Jahre später gab es außerdem noch "Buchstabieren, Schönschreiben lateinisch und Aufsatzbildung".

Der Dekan Matthäus Hörfarter lobte 1860 die Schule Harland als "weitaus die beste in der Pfarre Niederndorf, ja sogar eine der besten des ganzen Dekanates".

An Schulgegenständen gab es 1874 laut Inventarliste nur 2 große und eine kleine Schultafel, 10 Schulbänke, sowie 2 Sessel.

1875 sank die Leistung des Lehrers und folglich auch der Schüler auf einen Tiefstand. Die Lehrgegenstände beschränkten sich bei Sebastian Dostthaler von Holzweg auf "Religion, Schreiben und Rechnen". Dagegen war er um die Lieferung von Schulholz sehr bemüht. Das war damals eine Art Naturalsteuer der einzelnen Bauernhöfe. Der nachfolgende Lehrer im Schuljahr 1880/81 vermerkte im Inventar-Buch, dass er "keine Verantwortung für die früheren Eintragungen" übernehme...

Die Notenskala sah zu dieser Zeit folgendermaßen aus:
Schulbesuch: sehr fleißig - fleißig - minder fleißig - nachlässig
Sittliches Betragen: vollkommen entsprechend - entsprechend - minder entsprechend
Leistungen: sehr gut - gut - mittelmäßig - ungenügend

1883 schlug die Diphterie arg zu. Es gab sogar ein paar Sterbefälle unter den Schülern. Krankheiten und Wetter beeinflussten den Schulbetrieb damals wesentlich mehr als heute. Es gab ja kaum befestigte Wege und es fehlte an entsprechender Kleidung und festem Schuhwerk.

1887 unterrichtete als erste weibliche Lehrerin Theresia Danner in Harland. Schon damals gab es die 5-Tage-Woche und der Unterricht fand von 8.00 - 10.00 Uhr und von 12.00 - 15.00 Uhr statt.

1904 wurde bei der Sitzung des Ortsschulrates vermerkt, dass sich das Tabakrauchen in der Schuljugend breit mache und dass es geboten erscheine, "diesem Übel mit aller Strenge entgegenzutreten".


Klassenzimmer nach Neubau 1931

Im Zuge des 1. Weltkrieges suchten die Schüler laufend um Schulbefreiungen an, damit sie zu Hause bei den landwirtschaftlichen Arbeiten mithelfen konnten. Andere häufige Gründe für Schulversäumnisse waren "Keine Schuhe" und "Kindsen". In die triste Kriegszeit fielen noch die Aufrufe zum Maikäfersammeln, denen die Schüler gerne nachkamen.
Auch die Zeit zwischen 1938 und 1945 stand ganz im Zeichen der Kriegsereignisse. Sogar der Lehrer musste einrücken.

Ab September 1948 ermöglichte schließlich die Herabsetzung der Teilungszahl von 60 auf 50 die Führung einer zweiten Klasse. Eigentlich wäre dies laut Schülerzahl auch schon vorher möglich gewesen, doch der Gemeinderat vertrat die Ansicht, dass eine Lehrperson allein durchaus im Stande sei, eine Klasse mit über 60 Kindern zu führen. Weiter wörtlich: „Sollte gewagt werden, eine zweite Lehrkraft anzustellen bzw. der Gemeinde aufzuzwingen, so wird dies mit sofortigem Streik beantwortet werden und kein Kind mehr in die Schule kommen."

Bei einer Kartoffelkäferplage im Juni 1951 halfen die Schulkinder dabei die Tiere einzusammeln. Leider fehlte es an der Ausdauer und auch an der nötigen Vorsicht an den Pflanzen...

1931 wurde schließlich das Schulhaus am heutigen Standort errichtet und 1969 durch einen Neubau ersetzt. Ursprünglich wollte man die Mauern der zweiten Klasse ja stehen lassen, doch als der Bagger dem Gemäuer zu Leibe rücken wollte, fielen sie in sich zusammen...


um 1955

Bis zum Schulbeginn 1972/73 waren noch alle acht Schuljahre in Harland vertreten. 1973/74 wurde die Schule Harland jedoch geschlossen, da der Schulleiter aus gesundheitlichen Gründen in Pension ging. Nun mussten alle Kinder die Volksschule in Niederndorf besuchen. Erst im darauf folgenden Schuljahr kam Anton Jud als Lehrer nach Harland und unterrichtete vorerst drei Jahrgänge in einer Schulklasse.


um 1970

1977 wurde die über 200jährige Geschichte des alten Schulhauses beendet. Es wurde abgetragen.

Ab dem Schuljahr 1977/78 richtete Georg Kitzbichler eine Schulbuslinie für die Feistenauer Kinder ein. Zwei Jahre später erfasste der Schulbus das gesamte Gemeindegebiet. Seit einigen Jahren dient das Schulhaus auch als Treffpunkt für Veranstaltungen, Vorträge, Freizeit u.v.m.

(Quelle Dorfchronist Alexander Buchauer)

Der Name "Harland" bedeutet übrigens "Grundstück zum Flachsbau". Die erste Nennung des Namens Harland findet sich zwischen 1231 - 1234.

(Quelle Tiroler Namenkunde 1978 von Karl Finsterwalde)